Pferdetraining im Winter

Wenn nichts mehr geht

Mit den kälteren Temperaturen geht für viele Pferdebesitzer auch die Verschlechterung der Trainingsbedingungen einher. Der Platz ist matschig und irgendwann auch gefroren. Damit man sein Pferd trotzdem gut durch den Winter bringt, muss man erfinderisch werden. Es gibt aber einige Möglichkeiten, wie man sein Pferd trotz gefrorenem Reitplatz sinnvoll beschäftigen kann. 

Bodenarbeit

Momentan Frost ja eher weniger Thema, aber im Dezember war bei uns einige Zeit der Platz gefroren. Praktischerweise hatte es geschneit und deswegen war zum Teil fast normales Training, zum Teil aber auch kaum mehr als Schritt möglich, weil es rutschig war. 

 

Im schlimmsten Fall ist der Boden ohne Schnee gefroren. Da stellt sich die Frage, was man dann überhaupt noch machen kann. Sämtliche Formen vom Bodenarbeit bieten sich hier an. Bodenarbeit beinhaltet für mich eine Mischung aus Grundgehorsam, Gymnastizierung und Zirzensik.

 

Wenn es noch hell ist, bieten sich ausgedehnte Spaziergänge an. Dabei wird die Grundlagenausdauer (auch des Menschen) weitgehend erhalten, die Beziehung gestärkt und die Pferde haben etwas zu sehen. Je nach Gelände lässt sich auch die Koordination steigern (z.B. über Stock und Stein). Lässt sich dein Pferd auch im Gelände brav führen und auch im Angesicht von Monstern kontrollieren? Wenn nicht, ist es höchste Zeit, das zu üben. Falls du und dein Pferd krankheitsbedingt zu Boxenruhe und gesittetem Schritt verdonnert werdet, macht es sich spätestens bezahlt.

 

Aber auch auf dem Platz bietet die Bodenarbeit viele Vorteile: Vertrauen wird gefördert und neue Bewegungsabläufe (z.B. Seitwärts) lassen sich viel leichter erarbeiten, als unter dem Sattel. Auch einige Zirkuslektionen können gymnastizierend sein. Ich verwende für die Bodenarbeit einen Kappzaum, da ich so korrekte Stellung uns Biegung abfragen kann, was mit einem Halfter oder Knotenhalfter weniger möglich ist.

 

Mir geht es nicht nur um Gehorsam, sondern vor allem um Gymnastizierung. Auch körperliche Defizite wie eine fehlende Balance können vom Boden aus verbessert werden. Deswegen sind Übertreten, Rückwärtsrichten und Schulterherein zusammen mit Stangen für mich Teil der Bodenarbeit.

Equikinetic

Vor ein paar Jahren war es noch nicht so bekannt, mittlerweile ist es in aller Munde: Equikinetic geht schnell, ist nicht kompliziert - und man kann es im Schritt und langsamen Trab machen. Das Pferd wird in einem festgelegten Intervall auf einer Quadratvolte longiert.  

 

Die Gassen verhindern, das das Pferd über die Schulter wegläuft, nach innen driftet oder die Hinterhand ausbricht und verbessern so die Geraderichtung. Bei korrekter Ausführung muss sich das Pferd Biegen und mit dem inneren Hinterbein Last aufnehmen. Die Balance auf der Kreislinie wird verbessert, weshalb sich Equikinetic auch für Pferde eignet, die beim Longieren noch Probleme haben.

 

Gearbeitet wird am Kappzaum je nach Belieben entweder in der Führposition nahe dem Pferd oder eher in einer Longierposition, was mir immer leichter fällt. Das Pferd sollte leicht gebogen aber nicht überbogen sein. Mit Hilfe eines Timers wird auf jeder Seite genau eine Minute durch die Gassen longiert. Anschließend folgt ein Handwechsel und 30 Sekunden Pause in freier Bewegung, bevor es auf der neuen Hand wieder durch die Gassen geht. Man läuft durch den Timer nicht Gefahr, immer eine Seite mehr zu arbeiten. Im Schritt sollte das Pferd fleißig gehen und im Trab nicht zu schnell (ohne Schwebephase). Grundsätzlich muss das Tempo so gewählt werden, dass das Pferd nicht aus der Balance gerät. Schleudern auf einer so engen Linie ist enorm verschleißend.

 

Anders als oft behauptet wird, handelt es sich bei Equikinetic nicht um Intervalltraining im sportwissenschaftlichen Sinne, da die dafür notwendigen Pulswerte kaum erreicht werden. Auch eine Verbesserung der Ausdauer kann ich nicht bestätigen - sehr wohl aber den gymnastischen Effekt und eine Verbesserung der Balance auf gebogener Linie. Die Hinterhand wird aktiviert und die Dehnungsbereitschaft gefördert.
 

Equikinetic war übrigens mein Einstieg ins unausgebundene Longieren.

 

Zeitplan für Equikinetic:

Stufe 1 : 6 Einheiten à 60 Sekunden + 30 Sekunden Pause*

Stufe 2: 8 Einheiten à 60 Sekunden + 30 Sekunden Pause*

Stufe 3: 12 Einheiten à 60 Sekunden + 30 Sekunden Pause*

 

* In jeder Pause erfolgt eine Richtungsänderung

 

Aufbau:
 

Arbeit an der Hand

Für mich war die Arbeit an der Hand der Beginn von Mausis Umschulung. An der Hand hat sie gelernt, dass Zügelhilfen nichts böses sind. Es ist aber auch eine Möglichkeit, das Pferd vom Boden aus nicht nur zu gymnastizieren sondern auszubilden. Beinahe jede Lektion lässt sich an der Hand erarbeiten, weshalb ich gerne von „Dressur am Boden“ spreche.

 

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass das Pferd nicht durch unser Gewicht im Rücken gestört ist. Mal ehrlich, wer sitzt schon fehlerfrei? Die Rückenlendenbinde, auf der wir beim Reiten sitzen, dankt es uns ebenfalls, wenn sie sich erholen kann.

 

Seitengänge, die Pferd oder Reiter (oder beide) noch nicht beherrschen, können am Boden erarbeitet werden. Die ersten Traversalen habe ich mit Mausi an der Hand geübt. Das Pferd lernt am Boden, die Lektion koordinativ zu bewältigen und kann die Hilfen später vom Sattel aus leicht umsetzen.

 

Zu guter Letzt befindet sich das Pferd auch in deinem Sichtfeld. Im Sattel ist man sich oft nicht sicher, ob das Pferd beim Schulterherein auf drei Hufschlägen läuft. Vom Boden aus sieht man es genau.
 

Praktisch ist auch, dass man das Equipment für die Handarbeit in der Regel schon zur Hand hat. Je nach Vorlieben kann man eine Trense oder ein Kapzaum, bei dem die Zügel in die äußeren Ringe eingehängt werden, verwenden. Man geht mit dem Blick nach vorne auf Höhe der Schulter neben dem Pferd. Die äußere Hand greift den inneren Zügel direkt am Gebiss oder Kapzaum. Die innere Hand nimmt den Außenzügel auf Höhe des Widerrists. Diese Hand nimmt auch die Gerte, die als verlängerter Arm in jedem Fall gebraucht wird.
 

Als erste Schritte eignen sich simples Angehen und Halten sowie verschiedene Hufschlagfiguren. Das klingt einfacher, als es ist. Viele Pferde finden es erst mal sehr irritierend, den Menschen so nah bei sich zu haben (vor allem auf der rechten Seite, wenn sie nur von links geführt werden).
 

Schrittreiten

Wir haben bisher nur über die Arbeit vom Boden gesprochen. Wenn der Boden nichts anderes zulässt, kann man sich selbstverständlich auch der Schrittarbeit vom Sattel aus widmen. Der Schritt ist berühmt und berüchtigt: die Mutter aller Gangarten und gleichzeitig so fehleranfällig. 

 

Er ist die Basis allen Reitens. Im Schritt beginnt und endet jede Einheit. Alle Hufschlagfiguren und Seitengänge müssen erst im Schritt erarbeitet werden, bevor man sie in höheren Gangarten anfragen kann.
 

Für mich ist (und das scheint leichter als es ist) ein losgelassener physiologischer Schritt am hingegebenen Zügel Grundvoraussetzung für alles weitere. Ist das nicht möglich, muss dringend Ursachenforschung betrieben werden. Geht dieser zwanglose Schritt während der Arbeitsphase verloren, hat man falsch gearbeitet.   

 

Richtig Schrittreiten ist wirklich schwer, aber keinesfalls langweilig. Achte immer darauf, ob die natürliche Nickbewegung vorhanden ist, und lasse sie auch zu. Spüre, wie sich das Pferd unter dir bewegt. Lass deine Hüfte und deine Beine von der Bewegung mitnehmen. So kannst du ganz einfach Paraden reiten, indem du in der Bewegung kurz inne hältst. Kannst du dein Pferd nur über den Sitz lenken und anhalten? 
 

Konkret kannst du am geschlossenen Halten (was finde ich aus dem Schritt schwieriger ist, als aus dem Trab) arbeiten oder verschiedenste Kombinationen von Seitengängen reiten. Auch das Rückwärtsrichten ist eine wertvolle Übung. 

 

So wichtig das Schrittreiten auch ist, birgt es doch einige Risiken. Anders als im Trab benötigt das Pferd sehr viel Muskelkraft, um uns zu tragen. Man kann durch ausgiebiges Schrittreiten den Rücken geradezu nach unten sitzen. Gleiches gilt für reine Schrittausritte. Wie viel Schrittarbeit der Rücken deines Pferdes erträgt, entscheidet darüber ob und wie lange du an einem Tag, an dem nur Schritt möglich ist, reiten solltest.

 

Reiten im Gelände

Je nach umliegendem Gelände kann man alles, was man normalerweise auf dem Platz reiten würde, auch bei einem Ausritt machen. Natürlich muss man den Aufbau des Ausrittes an die Bodenverhältnisse anpassen. Dafür werden die Pferde meist durch das Gelände (bei uns geht es immer mal bergauf und bergab) ganz nebenbei aufgewärmt. Während Reitplätze schnell mal steinhart frieren, bleiben Wiesenwege durch das Gras etwas weicher, so dass man dort trotzdem noch traben und galoppieren kann. Das setzt aber einen halbwegs geraden Boden und ein gut koordiniertes Pferd voraus. Und mal ganz ehrlich: So weich sind Schotterwege oder die Fahrspur eines Feldweges, auf denen man sonst trabt und galoppiert auch ohne Frost nicht.    

 

Auch wenn man sich während des Ausritts an die wechselnden Bodenverhältnisse anpassen muss, bieten sich im Gelände auch Chancen, die man gezielt zur Verbesserung von Lektionen nutzen kann. 

 

Ohne die optischen Hilfen im Viereck muss man viel genauer reiten. Probiert mal, auf einem Wiesenstreifen wirklich gerade zu traben. Das ist gar nicht so einfach. 

 

Auf längeren Wegen kann man Tempounterschiede einbauen oder in wechselndem Rahmen reiten. Verstärkungen gelingen oft müheloser, weil die Pferde im Gelände gehfreudiger sind. Kurze Wege können für korrekte Übergänge genutzt werden, wenn z.B. der Feldweg in einem asphaltierten Güterweg übergeht. 
 

Natürlich kann man auch Volten um Bäume anlegen oder auf einem Weg Schlangenlinien und verschiedenste Seitengänge reiten. Wird dein Pferd im Schulterherein z.B. eher zu eilig, kannst du es an einem Waldrand reiten. Dabei wirkt der Blick in Richtung Wald bremsend. Andersrum verbessert der Blick vom Waldrand weg das Vorwärts.

 

Nach Pausen richtig antrainieren

Der Schnee schmilzt, die ersten Schneeglöckchen sind zu sehen und abends ist es schon länger hell. Keine Frage: der Frühling naht mit großen Schritten. Für diejenigen, die geplant oder ungeplant eine Winterpause eingelegt haben, geht es bald wieder los.
 

Aber wie am besten anfangen? Wie das Pferd wieder antrainieren? Wenn dein Pferd im Herbst mit dir noch L-Springen gegangen ist, wird es nach der Pause nicht zögern, dich über einen Sprung zu tragen - schließlich hat es das gelernt und es macht ihm vielleicht auch Spaß. Leider ist sein Körper diese Beanspruchung nicht mehr gewöhnt. Kondition, Muskulatur und Bindegewebe müssen erst wieder an die Belastungen gewöhnt werden. 
 

Für das Aufbautraining ist wichtig, wie lange dein Pferd Pause hatte. Bereits nach 10 Tagen beginnt die Muskulatur zu schwinden und - je nachdem wie viel sich dein Pferd in seiner Freizeit bewegt - ist sie nach 8 - 12 Wochen vollständig abgebaut. Wenn du vor der Pause regelmäßig (!) trainiert hast, bauen Sehnen und Bänder erst nach etwa einem halben Jahr Inaktivität ab.

 

Wenn du dir nicht sicher bist, ob du dein Pferd auch vor der Pause regelmäßig genug (mind. jeden dritten Tag über viele Monate) trainiert hast, solltest du vor dem eigentlichen Antrainieren sicherheitshalber 6-8 Wochen zügig mit deinem Pferd spazieren gehen, damit sich Sehnen, Bänder und Knochen wieder ausreichend stabilisieren. 
 

Da sich während der Pause auch der Rumpfträger abgebaut hat, solltest du nicht sofort wieder in den Sattel steigen, da dich dein Pferd nicht mehr tragen kann. Deswegen startet das eigentliche Antrainieren mit dem Aufbau der Rumpftragemuslatur und der Grundlagen-Ausdauer. Das kann in den ersten 8 Wochen praktischerweise ganz unspektakulär an der Longe geschehen. Der Rumpfträger trainiert sich am Besten im Trab in der Dauermethode - und die Ausdauer gleich mit. 


 

Trainingsplan für ein Freizeitpferd nach einer Winterpause

Wie könnte ein Trainingsplan in den ersten 8 Wochen nach der Pause aussehen?

 

Wie bereits erwähnt hängt der Start vor allem mit der Dauer der Pause und der Regelmäßigkeit des Trainings in den Monaten davor zusammen. Gehen wir mal davon aus, dass unser Beispielpferd vor der Pause regelmäßig trainiert wurde und somit gleich starten darf.
 

Ehe wir uns wieder in den Sattel setzen können, müssen erst der Rumpfträger und auch die Ausdauer wieder aufgebaut werden. Das geschieht an der Longe in der Dauermethode in einem fleißigen Trab. Dauermethode meint hier 10 Minuten aufwärts ohne Schrittpausen. Bis wir wieder Reiten können, muss unser Pferd weitgehend ermüdungsfrei 20 Minuten am Stück traben können. Damit sich der Körper an die steigende Belastung anpassen kann, braucht er nach einer Trainingseinheit 48 Stunden Pause. 

 

Beginnen sollten wir jede Trainingseinheit mit 10 Minuten flott-geführtem Schritt, bei dem sich Muskeln, Gelenke und Sehnen langsam erwärmen können.
 

Bevor es ans Traben geht, können wir an der Hand koordinative Dinge einbauen, die unser Pferd, wenn es wieder geritten wird, braucht. Möchten wir zeitnah wieder mit Cavalettis und kleinen Sprüngen starten, können wir jetzt über Stangen und Cavaletti führen. Dabei schult das  Pferd seine Koordination was Stangen angeht und kann nach Aufbau der Kondition auch im Trab über die Stangen laufen. Gleiches gilt für Dressurübungen wie das Schenkelweichen. Wichtig ist, dass man diese Übungen vor dem Ausdauerteil macht, wenn sich das Pferd noch gut konzentrieren kann. Machen wir das regelmäßig an der Hand, geht es mit steigender Kondition auch unter dem Reiter und sogar im Trab. Das funktioniert, weil durch das häufige Üben im Schritt die Koordination, was diesen Bewegungsablauf betrifft, besser wird und dank der gesteigerten Ausdauer kann das Pferd die Bewegung auch in der höheren Gangart sicher ausführen.

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